Im Gedenken an Eugeniu Botnari und Kurt Schneider

Antifaschistisches Gedenken in Lichtenberg

[übernommen von http://berlin.niemandistvergessen.net]

20.09.2021 | 17 Uhr | Eugeniu-Botnari-Platz am S+U Lichtenberg (Ausgang Weitlingstraße) | Antifaschistische Kiezdemonstration „In Gedenken an Eugeniu Botnari – Nazis raus aus dem Kiez!“

06.10.2021 | 18 Uhr | Rathaus Lichtenberg (Möllendorffstraße 6) | Antifaschistischer Gedenkspaziergang zum Todestag von Kurt Schneider Continue reading Im Gedenken an Eugeniu Botnari und Kurt Schneider

Remembering Luke Holland – vor 6 Jahren wurde Luke Holland ermordet

Kundgebung: Montag, den 20. September 2021 um 18 Uhr, Ringbahnstraße Ecke Walterstraße in Berlin Neukölln

Luke Holland wurde am 20.09.2015 in der Neuköllner Ringbahnstraße aus nächster Nähe brutal – wie aus dem Nichts – mit einer Schrotflinte erschossen, er hatte keine Chance zu überleben.
Luke Holland war Brite, 31 Jahre alt, Jurist und lebte erst seit kurzer Zeit in Berlin. Er kam gerade aus der Kiezkneipe „Del Rex“ – einer Bar, in der vor allem ein internationales, junges Publikum zusammenkam. Nach dem Mord an Luke wurde die Kneipe geschlossen.

Lukes Mörder, Rolf Zielezinski wurde im Juli 2016 zu knapp 12 Jahren Haft verurteilt. Seine Wohnung war voller Nazi-Devotionalien, einer Fahne der verbotenen Neonaziband Landser, diversen schussfähigen Waffen und Munition sowie einem Kilo Schwarzpulver (Sprengstoff). Er äußerte sich häufiger verächtlich über “die Ausländer” im Kiez.

Ein rassistisches/rechtes Motiv wollten Richter und Staatsanwälte trotzdem nicht erkennen. Sie haben den Mordprozess entpolitisiert – die Tat wurde zu einem „Mord ohne Motiv“. Aus dem Mörder wurde verharmlosend ein “Waffennarr”, ein “Alkoholiker mit Sammelleidenschaft” und natürlich ein “Einzeltäter” vor dem Landgericht Berlin-Moabit. Auch einem möglichen Zusammenhang zum Mord an Burak Bektaş wurde nicht nachgegangen.

Zu dem sogenannten Neukölln-Komplex, einer nicht abreissenden Serie von rassistischen und faschistischen Gewalttaten in Neukölln, gehören auch der unaufgeklärte Mord an Buark Bektaş am 5. April 2012 und der Mord an Luke Holland am 20.09.2015. Genauso wie die Angriffe, Anschläge und Bedrohungen gegen Linke, Migrantinnen, Buchläden und Kneipen.

Lasst uns solidarisch Zusammenstehen.
Unsere Solidarität gilt Phil, dem Vater von Luke Holland und seinen Freundinnen und Freunden.

Wir gedenken auch Rita Holland, der Mutter von Luke Holland, die sich am 21. Oktober 2019 das Leben nahm, weil sie den Schmerz über den Verlust ihres Sohnes nicht mehr ertragen konnte.
Vor einem Jahr, am 20.09.2020 wurde Rita Holland in Manchester neben ihrem Sohn Luke beigesetzt.

Kommt zur Kundgebung am 20. September 2021 – Luke Holland unvergessen.

Einladung zum Günter-Schwannecke-Gedenkspaziergang am 29. August 2021

[übernommen von der
Günter-Schwannecke-Gedenkinitiative
]

Wir rufen auf, am Gedenk-Spaziergang für Günter Schwannecke, Berliner Kunstmaler und ein Todesopfer rechter Gewalt, anlässlich seines 29. Todestages teilzunehmen.

Der Gedenkspaziergang beginnt am 29. August 2021, um 15.00 Uhr, auf dem Günter-Schwannecke-Spielplatz (Pestalozzistraße, Ecke Fritschestraße), in Berlin-Charlottenburg. Auf der Strecke (2,0 km / 1:30 Stunden) werden wir seines Lebens im Kiez gedenken. Wir bitten darum, an den Spielplatz Blumen mitzubringen. Um sich selbst und andere zu schützen, soll eine medizinische Gesichtsmaske mitgebracht werden.

Wir erinnern an Günter Schwannecke und die Umstände seines gewaltsamen Todes. Wir werden den Fall weiterhin recherchieren, aufarbeiten und politisch aufklären sowie öffentlich darüber informieren.

Wir erreichten bereits die staatliche Anerkennung Günter Schwanneckes als Todesopfer rechter Gewalt. Wir wollen, dass alle Todesopfer rechter Gewalt endlich diese Anerkennung erfahren.

Wir fordern, angesichts zunehmender Obdachlosigkeit ein Ende von Verdrängung und Wohnungsnot in Berlin sowie Schutz für Menschen ohne Wohnung, Zugang zu Rettungsstellen und medizinischer Versorgung in Zeiten der Pandemie.

Wir fordern, dass das Umfeld der Neonazi-Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ in Berlin mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgeklärt wird.

Günter Schwannecke war ein bekannter und für gesellschaftliche Veränderung engagierter Kunstmaler. Im Sommer 1992 war er wohnungslos. Er verbrachte mit dem Künstler Hagen Knuth den Abend des 29. August an dem Spielplatz. Sie beobachteten die Neonazis Norman Z. und Hendrik J., die dort Menschen mit Migrationsgeschichte rassistisch beleidigten und zu vertrieben. Günter Schwannecke und Hagen Knuth bewiesen Zivilcourage und mischten sich ein. Z. schlug mit einem Baseballschläger auf beide ein. Knuth überlebte, doch Günter Schwannecke starb am 5. September 1992 an den schweren Verletzungen. Er musste sterben, weil er Zivilcourage gezeigt hatte. Günter Schwannecke ist eines der mindestens 200 Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990 und erfuhr erst 2018 staatliche Anerkennung. Z. war Anfang der 1990er in der Berliner Skinheadszene. Er hatte enge Kontakte in das spätere Umfeld der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“.

Pressemitteilung: Erneuter Angriff auf den Gedenkort Burak Bektaş

Erneut wurde der Gedenkort an Burak Bektaş angegriffen, der aus rassistischen Motiven am 05.04.2012 in Berlin Neukölln ermordet wurde. Das Fundament der Skulptur des Gedenkortes an der Kreuzung Rudower Straße Ecke Möwenweg wurde mit einem Hakenkreuz und dem Schriftzug “AfD” markiert. Aufmerksame und solidarische Menschen haben am Morgen des 29.06.2021 den faschistischen Anschlag entdeckt und Anzeige gestellt. Die Polizei ermittelt von Amts wegen aufgrund der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Sachbeschädigung; das Hakenkreuz haben sie unkenntlich gemacht.
Laut dem LKA-Organisierter Rechtsextremismus ist der Staatsschutz tätig.

In rechter Kontinuität
Dieser Angriff richtet sich gegen das Erinnern und Kämpfen gegen Rassismus und Faschismus. Es ist der dritte Angriff dieser Art. Der Gedenkort wurde geschaffen, um an Burak Bektaş und ähnliche Fälle zu erinnern. Mit der 2 Meter hohen Skulptur ist er ein unübersehbares Zeichen gegen Rassismus und rechte Morde sowie rechte Gewalt. Das Gedenken an Burak ist fest verankert in der antirassistischen Arbeit in Berlin-Neukölln, berlin- und bundesweit. Die Angriffe auf das Denkmal „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ im April 2018 mit einer Chemikalie, im Januar 2021 mit weißer Farbe und nun im Juni 2021 lassen sich einordnen in die Kontinuität von rechtem Terror in Berlin Neukölln. Rechte und rassistische Beleidigungen, Bedrohungen, faschistische Markierungen bis hin zu Brandanschlägen und Morde sind keine Einzeltaten. Personelle und strukturelle Kontinuitäten der rechten Szene in Neukölln lassen sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen. Aktuell ist ein polizeibekannter Rechtsextremist aus dem Umfeld der NPD inhaftiert worden. Der Neonazi soll an der Fritz-Erler-Allee im Neuköllner Ortsteil Rudow das 35-jährige Opfer erst rassistisch beleidigt und anschließend mit einer Klinge am Hals verletzt haben, wie die Polizei mitteilt. Der Mord an Burak Bektaş kurz nach dem Auffliegen des NSU-Komplexes, die Anschlagsserien in Neukölln verweisen auf diese rechten Strukturen, auf den „Neukölln-Komplex“.

Eure Solidarität ist großartig
Der Angriff auf den Gedenkort wurde von solidarischen Menschen entdeckt und zur Anzeige gebracht. Der Gedenkort Burak Bektaş und ganz Neukölln bleiben damit ein Ort des Widerstandes gegen Nazis. Viele Menschen haben sofort reagiert und ihre Solidarität öffentlich bekundet. Dies ist ein starkes Zeichen. Wir danken euch allen herzlich auch im Namen der Familie für eure großartige Solidarität.

Wir trauern – Esther Bejarano starb am 10. Juli 2021

Liebe Freund:innen,
Lieber Joram, Lieber Kutlu,
Baruch Dayan Ha’emet
Başınız sağolsun
Herzliches Beileid euch.
Viel Kraft.
Wir sind sehr traurig.
Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen – sie wird fehlen.
In liebevoller Erinnerung halten wir sie.
Esther Bejarano ist die Stimme gegen den Faschismus. Sie überlebte den Holocaust, weil sie im Mädchenorchester des Konzentrationslager Ausschwitz spielte. Esther war kontinuierlich konsequent antifaschistisch.
Ihr Kampf geht weiter. Sie wird in unserem antifaschistischen Kampf weiter leben. Sie lebt ewig.

VVN-BdA zum Tod ihrer Ehrenpräsidentin Esther Bejarano

Grußwort zum 20. Todestag von Süleyman Taşköprü

Liebe Familie Taşköprü, liebe Freund*innen,

vor nun schon 20 Jahren wurde euer geliebter Süleyman von euch genommen.
Wir von der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş senden euch viel Kraft und solidarische Grüße aus Berlin für diese schweren Tage.

Süleyman wurde aus rassistischen Motiven vom NSU ermordet. Der Mord an Burak passierte nur kurze Zeit nach der Selbstenttarnung des NSU.
Möglich, dass es sich dabei um eine Art NSU-Nachahmungstat handelte. Der Mord an Burak wurde bis heute nicht aufgeklärt, so wie auch der NSU-Komplex bis heute nicht vollständig aufgeklärt wurde.

So vieles musstet ihr durchstehen: den Verlust Süleymans, aber auch all die Vernehmungen, Verdächtigungen und Verleumdungen, die bis heute nicht erfolgte vollständige Aufklärung und all die Folgen die das für euch bis heute hat. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wir hoffen, dass ihr in diesen Tagen die Möglichkeit habt, euch an Süleyman zu erinnern, in dem Rahmen, der für euch gut ist, um Schmerz aber auch schöne Erinnerungen miteinander zu teilen. Wir wünschen euch, dass ihr die Kraft habt, zu erinnern, sowie nach vorne zu schauen.

In dem Kampf um Aufklärung könnt ihr uns an eurer Seite wissen. Hamburg hatte noch keinen Untersuchungsausschuss, Berlin auch noch nicht. Wir werden aber keine Ruhe geben bis das endlich passiert. Wir wollen Aufklärung, und wir wollen kein einziges weiteres Opfer.

Kalplerimiz sizinle. Unsere Herzen sind bei euch.

Video vom 27.06.2021 ndr

Ausstellung | Museum des Lebens. Private Erinnerungskultur aus Neukölln

29. Mai 2021 – 30. Dezember 2021

Museum Neukölln, Alt-Britz 81, 12359 Berlin

“In der Ausstellung „Das Museum des Lebens. Private Erinnerungskultur aus Neukölln“ werden Fotografien, Dokumente und Gegenstände präsentiert, die über die Lebenswege und Schicksale von zehn Verstorbenen erzählen, deren Leben eng mit Neukölln verbunden waren. Auf eindrückliche Art und Weise werden die persönlichen Nachlässe der Verstorbenen in Szene gesetzt. Zusammen mit sensibel komponierten Hörstücken werden ihre Haltungen und Einstellungen reflektiert.
Wir widmen uns den Erinnerungen der Angehörigen und Freund*innen und würdigen das Leben von Menschen, die während ihres Lebens nicht im Scheinwerferlicht öffentlicher Aufmerksamkeit standen. Das „Museum des Lebens“ gibt denjenigen eine Stimme, die sich von der Komplexität des Lebens, von seinen tragischen und euphorischen Seiten, nicht abschrecken lassen und reflektiert in welcher Weise wir die Erinnerung an einen nahestehenden Menschen als Teil unseres Lebens betrachten können.”
(Übernommen aus der Ausstellungsvorstellung des Museum Neukölln)

In dieser Ausstellung wird auch an Burak Bektaş erinnert.

Digitale Ausstellungseröffnung: “The violence we have witnessed carries a weight on our hearts”

21. Mai bis zum 1. August 2021

Jüdischen Museum Berlin, Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Die Künstlerin Talya Feldman wurde in diesem Jahr mit dem DAGESH-Kunstpreis vom Jüdischen Museum Berlin und Dagesh.
Jüdische Kunst im Kontext ausgezeichnet. Ab dem 20. Mai läuft ihre Ausstellung JMB: In ihrer multi­medialen Arbeit unter­sucht sie die Kontinuitäten rechten Terrors in Deutschland von den 1980er Jahren bis heute. Feldmans Arbeit präsentiert u. a. Sprach­aufnahmen von Über­lebenden rechter, rassistischer und anti­semitischer Gewalt, von Familien der Terror­opfer und Initiativen, die gegen rechten Terror kämpfen. In ihrer Arbeit öffnet die Künstlerin ein Panorama pluralistischen Erinnerns und macht die Vielfalt von Erinnerung und Zeugen­schaft erfahrbar.
Die Eröffnung vom 20. Mai 2021 könnt ihr online bei youtube sehen.

Aus der Installationsvorstellung bei Dagesh
“Aus der Perspektive der betroffenen Menschen zeigt Talya Feldman, wie groß die Traumata für das Umfeld der Opfer auch nach den Anschlägen sind – bis heute. Die Stimmen in der Installation thematisieren auch die Rolle von Polizei, Verfassungsschutz und Justiz, die sich in zahlreichen Fällen zu spät und nicht ausreichend auf die Täter aus rechten Netzwerken konzentrierten. So wurden bereits 1980 im Fall der Ermordung von Shlomo Lewin und Frida Poeschke die Täter zunächst im Umfeld der Opfer gesucht, obwohl verschiedene Hinweise für rechtsextreme Täter sprachen. Nicht zuletzt die Anschlagsserie des NSU und die Anschläge von Halle und Hanau haben gezeigt, wie mangelhaft der Schutz vor und die Aufarbeitung von rechtem Terror in Deutschland nach 1945 funktioniert hat. Diese Kontinuität macht Talya Feldmans Installation erfahrbar.”

PS.
Hierbei wird sich auch auf den Mord an Burak Bektaş und die Verweigerung von Aufklärung bezogen.

Redebeitrag von Familien Bektaş zum 9. Todestag von Burak am 5.4.2021

Zunächst bedanken, möchte ich mich im Namen der Familie Bektaş bedanken, dass sie trotz der Risiken so Zahlreiche erscheinen seid.

Mein Name ist Murat ich bin der Cousin von Burak. Vor 9 Jahre eröffnete ein unbekannter Mann das Feuer auf eine Gruppe Jugendlicher und ermordete dabei Burak.
Seit 9 Jahren gehen wir auf die Straße und stellen die selben Fragen.
– Wer hat Burak ermordet?
– Wieso musste er sterben?
– Was war das Motiv des Täters?

Seit 9 Jahren kann uns weder die Polizei, die Mordkommission noch die Politik diese Fragen beantworten. Damit ergeben sich weitere Fragen.
– Wie kann es sein, dass ein Mörder seit 9 Jahren auf freien Fuß ist und ungestraft davon kommt?
– Wann wird der Mörder seiner gerechte Strafe bekommen?
– Wann werden wir Gerechtigkeit erfahren?
Eine frage stelle ich mir nach 9 Jahren nicht mehr.
– Hat die Mordkommissionen und Politik versagt?

Denn sie hat versagt.
Genau so wie die Frage, ob wir weiterhin auf die Straßen gehen werden.
Sie denken vielleicht, dass das irgendwann aufhört und dass wir es gut sein lassen.
Aber wir werden so lange auf die Straße gehen bis der Mörder für immer hinter Gittern ist.
Burak wir lieben und vermissen dich und wir werden für dich kämpfen auch wenn es ein weiteres Jahrzehnt dauert.